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Virginia City, NV



Heute





... ist kaum vorstellbar, daß das kleine Städtchen Virginia City in der kargen Berglandschaft von Nevada vor knapp 150 Jahren eine weltbekannte Stadt war, die es an Größe und Pracht mit San Francisco aufnahm. Ihr Glanz währte ein halbes Jahrhundert lang, denn von Virginia City floßen über Dollar400.000.000 in Silber und Gold in die Wirtschaft der aufstrebenden Nation der USA.

Zur Stadt mit dem umliegenden geschichtsträchtigen Comstock-Gebiet gehören auch die kleinen Orte Gold Hill und Silver City im Gold Canyon, wo damals mit dem Fund einiger Nuggets der unglaubliche Aufstieg von Virginia City began.

Die C-Street, die Hauptstraße von Virginia City, hat sich in der Zeit seit den Boom-Town-Tagen der Stadt wenig verändert. Es gibt immer noch die hölzernen Gehsteige unter den Balkonen der Geschäfte und Museen und ein paar Saloons, nur daß heute statt gesattelter Pferde Autos am Straßenrand auf ihre Besitzer warten. Etwas von der C-Street entfernt liegen die stattlichen Mackay Mansion, Chollar Mansion, und R.G.Grave's The Castle, außerdem das alte Schulgebäude der Fourth Ward School und auch das legendäre Pipers Opera House, das gerade restauriert wird, aber trotzdem besichtigt werden kann. Wohin man schaut: die alten Backstein- und Holzhäuser haben ihren Charme erhalten und zeugen noch immer vom grenzenloser Reichtum ihrer Zeit.

Eine Besichtungstour durch die "lebendigste Geisterstadt des Westens" könnte am Virginia und Truckee Eisenbahnfracht-Depot auf der E-Street beginnen und dann weitergehen durch die vielen kleinen Museen, die das Städtchen bietet. Meine persönlichen Lieblingsmuseen sind das Mark Twain Museum im historischen Gebäude der Territorial Enterprise, wo man einen Eindruck davon bekommt, unter welchen Bedingungen eine Zeitung entstand zu der Zeit, als Mark Twain tatsächlich dort arbeitete und das Red Light Museum, wo man einen Eindruck davon bekommt, unter welchen Bedingungen eine ... ups, hier besser nicht weiterschreiben.

Etwas erholen kann man sich dann auf der kurzen Fahrt mit der historischen V&T Dampflokomotive, bei der Besichtigung der wunderschönen Kirche St. Mary in the Mountains oder beim Bummel über die zahlreichen Friedhöfe von Virginia City. (Und weil dies ja eine Bonanza-Page ist: ja, Julia Bulettes Grab ist da auch irgendwo.)

Dann noch ein Bierchen im Bucket Of Blood - wenn man Glück spielt sogar gerade eine Jazz- oder County-Band - vielleicht ein bißchen Glückspiel in einem der zahlreichen Casinos - der Suicide-Table im Delta Saloon ist zum Glück nicht mehr in Betrieb - oder einfach nur noch ein Schaufensterbummel entlang der Hauptstraße; irgendwann ist man so in Wild-West-Laune versetzt, daß es einen wahrscheinlich nicht mal mehr überraschen würde, wenn die Cartwrights plötzlich um die Ecke gerieten kämen...

Mein Tip: einen bis zwei Tage sollte man schon einplanen, um zu erforschen, was zwischen 1860 und 1890 einmal eine der reichsten Städte auf Erden war.



Damals





... war Virginia City die berühmteste Silber- und Goldminenstadt des sog. -"Comstock Lode"-Silbererzlagers. Nachdem diese weiträumgen und ergiebigen Silberadern in den frühen 1850er Jahren entdeckt worden waren, geschah es eines Abends im November 1859, daß Prospektor "Old Virginny" James Finney im "Orphir" Minencamp die Whiskeyflasche zerschellte und der teure Gerstensaft im Boden versickerte. Der betrunkene Goldsucher fluchte und schrie laut: ". . . und somit taufe ich dieses Lager Virginia City". Dieser Tag wurde der Geburtstag der Stadt. 1860 hatte sie mehr als 10000 Einw., 2 Quarzmühlen, 8 Hotels, 9 Restaurants, 10 Mietställe, 38 Saloons, 25 Lagergeschäfte, Schmiedewerkstätten, Warenhäuser, Theater und 37 Großbergwerke, die ein Geschäftskapital von 30 Millionen Dollar repräsentierten.

Im November 1860 erhielt die Stadt mit dem "Territorial Enterprise" die erste Zeitung. Unter dem Pseudonym "Josh" schrieb hier der 25jährige Journalist Samuel L. Clemens amüsante Geschichten über die nahen Minencamps Aurora und Bodie, nachdem er als Prospektor wenig Glück gehabt hatte. Später nannte der Mann sich dann "Mark Twain" und sein berühmter Roman "Roughing it" machte nicht nur ihn, sondern auch Virginia City weit über die Grenzen des Minenbooms bekannt.

55% allen Erzes war reichhaltiges Silbererz, der Rest Gold. 1861 - 1863 wuschen die Großminengesellschaften Ophir, Chollar, Curry, Gould, Mexican und Potosi zu gigantischenUnternehmen mit Millionenprofiten heran, und die sich rasch ausbreitende Stadt verleibte sich das eine Meile entfernt liegende Gold Hill ein. Die großen Frachtstraßen nach Placerville, Kalifornien, Sacramento, Nevada City und Downieville wurden erweitert und teilweise gepflastert.

Frachtraten von V. C. nach Sacramento betrugen 6 Cents pro Pfund. Zollbrückeninhaber erwarben allein durch die Zollgebühren Reichtümer, solange die Frachtkarawanen Edelmetallerz nach Kalifornien transportierten. Diese Erzwagen kehrten aus Kalifornien mit Lebensmitteln, Genußmitteln, Bauholz, Maschinen und allem zurück, was man in der Nevadawüste brauchte, einschl. silbernen Manschettenknöpfen, Kaviar und Champagner. Pro Jahr wurden rund 30000 Personen in drei Postkutschenlinien nach Kalifornien und zurück gebracht, der Fahrpreis betrug 27 Dollar.

1864 waren die Erzadern der großen Minen erschöpft. Wirtschaftliche Depression ließ viele große und kleine Gesellschaften aufgeben. Die Bank von Kalifornien kaufte einen Großteil dieser Gesellschaften auf und investierte Millionen in "das Unter-die-Erde-gehen". Bald befanden sich 700 Meilen Stollen unter der Stadt, und täglich erzitterten die Häuser von unterirdischen Explosionsschlägen. Aber jahrelang kam immer minderwertiges Erz zutage. Dennoch bauten die Bankmanager eine kostspielige Eisenbahnlinie zu den Gesteinsmühlen am Carson River und schließlich, als die tiefgelegenen Abbaue im Grundwasser abzusaufen drohten, den berühmten 4,5 Meilen langen Adolph Sutro-Tunnel als gewaltige, abschüssige Wasserdrainage, die gleichzetig alle Abbaue mit Frischluft versorgte. Aber immer mehr Einwohner verließen die ehemals 15000 Seelen zählende Stadt, Prospektoren gaben auf, straßenweise verfielen die Häuser.

Anfang 1870 entdeckten John W. Mackey, James G. Fair, James G. Food und William O'Brien die größte Silbererzader des Comstock Lode in 135 m Tiefe, zwischen 50 und 108 m dick! Es war die "Große Bonanza", das "Herz des Comstock". Während der folgenden 4 Jahre platzte die Stadt aus allen Nähten. Jeder schien dort eine Niederlassung besitzen zu müssen, die Banken der Pazifikküste ebenso wie das US-Schatzamt, das eine Münze erbaute. Die beiden Großminen "Consolidated Virginia" und "Consolidated California" erhöhten ihr Geschäftskapital auf 159 Mill. Dollar und zahlten pro Monat eine Mill. Dollar Dividenden. V. C. wurde das Vergnügungsbabel der westlichsten Felsengebirgsregion, in dem es für Geld alles zu genießen und zu sehen gab, was in Amerika Rang und Namen besaß. Die Bühnen von "Piper's" Opernhaus erlebten triumphale Auftritte von Weltberühmtheiten wie Lillian Russel, Edwin Booth, Maude Adams, Lola Montez und Lotta Crabtree. 1878 war auch die große Bonanza erschöpft, die Stadt geriet schnell wieder in Vergessenheit.





Wo die Cartwrights einkaufen

... sieht's zwar nicht ganz genauso aus, aber ein bißchen künstlerische Freiheit muß man den Bonanza-Machern wohl zugestehen. Und auch diesem Fernseh-Virginia City geht die Zeit nicht spurlos vorüber. Als 1970 ein Studiowechsel auch ein Wechsel der Kulissen zur Folge hatte, mußte dem Zuschauer das neue Gesicht der Stadt ja irgendwie erklärt werden. In der Episode "Brandstiftung / The Night Virginia City Died" sorgt kurzerhand eine geistig verwirrte Brandstifterin dafür, daß die Stadt bis auf die Grundmauern niederbrennt. Eine Woche später ist aber bereits ein neues Virginia City fertig aus dem Boden gestampft, das "Jamie, der Sohn des Regenmachers" vor dem Austrocknen nach wochenlanger Dürre rettet. Es ist eben alles eine Sache des Glaubens, oder eben "A Matter of Faith".




Zaun
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