Michael Landon - Meister des Familien-TV
Remember me with smiles and laughter
for that is how I will remember you all
If you can only remember me with tears
then don't remember me at all
Der jüngste Spross im Cartwright-Clan ist Joseph Francis Cartwright - besser bekannt als Little Joe. Er wurde von Michael Landon - eigentlich Eugene Maurice Orowitz - verkörpert. Dieser wurde am 31. Oktober 1936 in Forest Hills (NY) geboren und wuchs in Collingswood/New Jersey auf. Seine Eltern Eli Orowitz und Peggy O'Neill waren nicht glücklich miteinander, was auch daher rührte, daß sein Vater Jude war, der keine Katholiken mochte und seine Mutter Katholikin, die keine Juden mochte. Eli war Schriftsteller, bevor er Radio-Ansager wurde. Er war als Mr. Emo in New Yorks Lady Esther Show bekannt. Später leitete er eine Kinokette in Collingswood. Peggy O'Neill war eine hübsche, aber erfolglose Schauspielerin am Broadway. Sie beklagte sich, dass sie eine grosse Show-Karriere aufgegeben habe, um einen Niemand und Verlierer zu heiraten. Eugene hatte keine glückliche Kindheit .Als er sechs Jahre alt war, sagte seine Mutter zu ihm: "Von jetzt an mag ich Dich nicht mehr, weil ich kleine Knaben nicht mag." Stattdessen vergötterte die Mutter Evelyn, seine ältere Schwester. Sie tat alles für eine Filmkarriere ihrer Tochter, die einmal sogar die Wahl zu "Miss New Jersey" gewann. Vater Eli war immer beschäftigt und selten zu Hause.
Eugene war zunächst ein guter Schüler mit einem IQ von über 150, aber er hatte kaum Freunde und verbrachte lieber viel Zeit in einer Traumwelt, die er sich aus Comics und Filmhelden zusammenphantasierte. Er begriff, daß ihm beliebt zu sein mehr bedeutete als gute Noten, und so wurde er immer schlechter in der Schule, so schlecht, daß er in der 9. Klasse sogar sitzenblieb. Da er Jude war, litt er auch unter dem Antisemitismus seiner Klassenkameraden und auch seinem Problem, dass er Bettnässer war. Wie sehr er darunter litt, zeigt der Film "The Loneliest Runner" ("Der Sieg seines Lebens"). Dieser Streifen ist eine Art Autobiographie seiner Jugend, der zeigt, wie seine Mutter die dreckige Bettwäsche aus dem Fenster hängte, um ihn damit zum Aufhören zu zwingen.
Mike stand seinem Vater immer näher als einer Mutter und als sein Vater an einem Herzinfarkt starb, war er tief betroffen. Noch Jahre später erzählte Michael Landon: "Ich brauche meinen Vater immer noch beim Schauspielern. Ich muss nur an ihn denken und kann gleich heulen. Wenn ich bei einer Rolle wütend sein muss, denke ich daran wie die Leute unehrlich zu Dad waren.
Als er aber älter geworden war, wurde er bei den Gleichaltrigen beliebter, denn er spielte den Klassenclown, obwohl dies deutlich unter seinem Niveau lag. Sein Talent als Speerwerfer verhalf ihm zu noch mehr Anerkennung. Er stellte einen Rekord in der Schule auf, der immerhin 10 Jahre ungebrochen blieb und ihm ein Stipendium an der University of Southern California einbrachte. Im Glauben an den Mythos von Samsons Kraft durch seine langen Haare trug er eine riesige Mähne - und das in den ultra-konservativen 50ern! Aber als ihn eine Gruppe "Mitsportler" festhielten und ihm die Haare abschnitten, verlor er die psychische Kraft, die ihm beim Sport half und durch eine Handverletzung verlor er auch sein Stipendium. In Los Angeles mietete er eine kleine Wohnung und fand einen Job, wo er Lastwagen ablud. Ein Kollege, ein Schauspiel-Aspirant, fragte ihn, ob er ihm beim Vorsprechen helfen könne und Eugene stimmte zu. Sein Arbeitsplatz war gleich neben den Warner Bros. Studios, wo später auch die letzten drei Bonanza-Staffeln gedreht werden würden.
Ein Mitarbeiter von Warner Bros. gab ihm den guten Rat, sich für eine Klasse eintragen zu lassen. Er tat es und änderte dabei seinen Namen in Michael Landon, einen Namen, den er zufällig aus dem Telefonbuch auswählte und der später in der ganzen Welt bekannt sein würde. 1956 heiratete er Dodie Fraser und begann mit kleinen Rollen in diverses Produktionen. Seine erste Titelrolle bekam er 1957 in "I Was A Teenage Werewolf", heute ein Werwolf-Kultfilm. Ein weiterer Erfolg wurde "The Legend of Tom Dooley", das Schicksal eines Südstaatensoldaten, der unfreiwillig zum Mörder wird. David Dortort, Schöpfer und Produzent von Bonanza, erinnert sich: "Ich sah Mike Landon in 'The Restless Gun' und war überrascht, dass er nicht fest in einer Serie war. Ich wollte nicht irgend einen jungen Schauspieler. Für mich hatte Mikes Charakter Tiefe und war entwicklungsfähig."
Dortort's Intuition bestätigte sich. Michael Landon war zwischen 1962 und 1967 fünfmal Co-Writer, später schrieb er 14 Folgen selber und führte auch Regie. Landon war sicher, dass ihm Bonanza mehr brachte als jede Film-Schule. Er war sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Seine Ehe mit Dodie scheiterte, sie trennten sich aber einvernehmlich. Er wurde wie sein Vater ein 'Workaholic'. Oft verliess er das Bonanza-Set am Freitagabend und flog direkt zu einem Auftritt bei einemRodeo irgendwo im Land. Durch diesen grossen Stress wurde er unvermeidlich müde, manchmal litt er gar unter plötzlichen Anfällen. Er wurde launisch und von Alkohol und Beruhigungsmittel abhängig. Lorne Greene, sein Filmvater, half ihm in dieser Situation sehr, in dem er mit ihm 'von Herz zu Herz' sprach. Greene war einer der wenigen, die von Michael Landon respektiert wurden und so mit ihm reden konnten. Landon war der Presse gegenüber generell misstrauisch - besonders ärgerte ihn, dass er immer wieder seinen Erfolg rechtfertigen musste. Er nahm seine Arbeit sehr ernst, machte sogar viele Stunts selbst und scheute keine Anstrengung, um Bonanza mehr als nur erfolgreich zu machen.
1962 heiratete er Lynn Noe, ein geschiedenes Model. Nach dem Ende von Bonanza hatte Mike dutzende Ideen für neue TV-Projekte. Er entschied sich für "Little House on the Prairie" ("Unsere kleine Farm") nach den Büchern von Laura Ingalls-Wilder. Dort spielte er den Vater der Farmerfamilie Ingalls. "Little House" war mit Abstand sein grösstes Projekt nach Bonanza. Die Originalbücher dienten als Vorlage, aber die Serie trägt eindeutig Michael Landons Handschrift. Die Ehe mit Lynn Noe, die nach aussen intakt schien, endete 1981 bitter. Michael Landon lernte bei den Dreharbeiten zu "Little House" Cindy Clerico kennen und Lynn entdeckte diese Affäre. 1983 heirateten Michael und Cindy und Freunde, die das Paar gut kannten, sagen, daß Cindy das Beste war, was Mike passieren konnte. Cindy gab ihm nun endlich das Familienleben und die Geborgenheit, die Mike ein Leben lang erträumt hatte und die in seinen Serien so eine wichtige Rolle spielen.
Nach "Little House" folgte eine weitere erfolgreiche Serie: "Highway to Heaven" ("Ein Engel auf Erden"). Michael Landon verkörpert darin einen Engel, der 'vom Boss' immer wieder neue Aufgaben erhält, um den Menschen zu helfen. Dabei wird er vom ehemaligen Polizisten Mark unterstützt, gespielt von Victor French - für Mike mehr als nur ein Freund. French hatte auch bei "Little House" eine grosse Rolle und war sogar schon in vier Bonanza-Folgen mit von der Partie. Im Frühjahr 91 drehten sie den Pilotfilm "Us", im Herbst wollten sie mit der Serie anfangen.
Doch im April diagnostizierten die Ärzte Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Michael. Er trug seinen Kampf gegen die Krankheit in der Öffentlichkeit aus, und Amerika - und die Welt - nahm Anteil an seinem Schicksal. Als er in der Johnny Carson Show erschien und über seine Krankheit sprach, hatte diese Folge die zweitgrößten Einschaltquoten in der Geschichte der Show überhaupt. Am 1. Juli 1991 starb Michael Landon in seinem Haus in Malibu. Er hinterlässt 9 Kinder, Hunderte von Stunden TV und eine grosse Fangemeinde. Michael Landon war ein besonderer Mann. Er strahlte Ruhe und Besonnenheit aus. Jemand, der mit Mike drehte, sagte einmal treffend: "Niemand arbeitet für ihn - alle arbeiten mit ihm."
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