Dan Blocker - mehr als nur der liebe, dicke Hoss
Dan Davis Blocker, geboren am 10. Dezember 1928 in Bowie County (Texas), verkörperte den gutmütigen Hoss Cartwright. Hoss und sein Darsteller waren sich charakterlich sehr ähnlich.
Dan Blocker, der Sohn von Shack und Mary Blocker, wog bei der Geburt 14 Pfund - das schwerste Baby, welches je in Bowie County auf die Welt gekommen ist. Als sich die Wirtschaftskrise verstärkte, zogen die Blockers von DeKalb nach O'Donnell, wo vor allem die Baumwollindustrie das Geschehen prägte. Seine Eltern kauften ihm einmal ein Pferd und einen Sattel zu Weihnachten. Doch der künftige Westernheld zog das Studieren und Lesen von Büchern vor, so dass das Pferd wieder verkauft wurde.
Wenn Dan seine Nase nicht in Bücher steckte, widmete er sich vor allem dem Football und dem Boxen. Trotz (oder gerade wegen) seiner Grösse war er sehr vorsichtig, um niemanden zu verletzen. Er war mit 13 Jahren immerhin über 180cm gross und 100kg schwer. In diesem Alter trug er sich am Texas Military Institute in San Antonio ein. Später wechselte er in die Hardin-Simmons University in Abilene, wo er Football spielte. Später am Sul-Ross College half er dem Football-Team mit 32 Siegen auf die Beine. Auch beim Boxen war er sehr erfolgreich: bei 63 Kämpfen musste er nur eine knappe Niederlage einstecken.
Dann entdeckte er seine wirklich große Leidenschaft: Theater spielen. Obwohl Dan Blocker Jahre nach seinem Bühnendebut - der Studentenproduktion von "Arsenic and Old Lace" - gestand, dass er da nur widerstrebend gespielt habe, hatte es ihm aber doch gefallen. Er ging auf die Bühne, um mehr zu machen. Er brachte sogar einmal die ganze Football-Mannschaft dazu, bei "Mr. Roberts" mitzumachen, wo er auch Regie führte.
Hiermit wechselte er zum Drama, speziell Shakespeare. Er gewann für die Hauptrolle in "Othello" einen Preis als "Best College Actor of 1949" für seine Porträtierung von DeLawd in "Green Pastures". Die im Stich gelassene Ehefrau wurde in diesem Stück von Dolphia Lee Parker gespielt - der zukünftigen Frau von Dan Blocker.
Blocker freute sich über Angebote, die er erhielt, um Football professionell zu spielen, aber er wollte sich lieber auf's Schauspiel konzentrieren. Seine ersten Gehversuche auf einer "richtigen Bühne" folgten am Boston Brattle Hall Theatre und später am Broadway in "King Lear".
Den Weihnachtsabend 1951 verbrachte Dan auf Hügel 255 in Korea. Seine Truppe versteckte sich für 10 Stunden vor den feindlichen Truppen. "Ich hatte richtige Todesangst und realisierte das erste Mal, dass ich nicht unzerstörbar bin", gestand Blocker später. Obwohl er an der Geschichte der Streitkräfte interessiert war, prägte ihn dieses Erlebnis so sehr, dass er ein grosser Kriegshasser wurde.
Nach dem Krieg kehrte Dan Blocker zurück nach Texas, um seinen Abschluss zu machen und Dolphia Parker zu heiraten.
Noch mehr als auf der Bühne stehen wollte er unterrichten und das tat er dann auch. Zuerst in Sonora (Texas) und später in Carlsbad (New Mexico). Er unterrichtete alles, von Staatskunde und Biologie bis Literatur und Football. Doch seine Rolle in Bonanza beendete seine akademische Karriere endgültig.
Für David Dortort war es nie einer Frage, wer den zweiten Sohn von Ben Cartwright spielen sollte. Er hat die Person Hoss Cartwright quasi für Dan Blocker geschrieben. Dortort, der Schöpfer und Produzent von Bonanza, erkannte das Potenzial des Schauspielers. Ausserdem stand Dan zu jener Zeit nicht unter einem Langzeitvertrag und seine Familie wohnte in einem Motel. Sie waren mobil, konnten also jederzeit die Sachen packen und etwas Neues beginnen.
Hoss ist bei den Zuschauern wohl das beliebteste Mitglied der Cartwrights. Blocker meinte mal: "Mein einziges Problem ist, dass ich niemanden finden kann, den ich nicht mag. Es ist so toll, dass ich manchmal Angst habe, dass es ein abgekartetes Spiel ist."
Aber als die Serie an Bekanntheit gewann, wurde Blocker mit einem Problem konfrontiert: seine Popularität. Überall, wo er mit Dolphia und seinen vier Kindern Dana, Debra, David und Dirk aufkreuzten, waren sie von Fans aller Alterskategorien umkreist - und Dan Blocker fiel wegen seiner Grösse ja schon von weitem auf. Er mochte es gar nicht, wenn die Leute ihn einfach anfassten, als seien sie seit Jahren Freunde. Dazu meinte er einmal: "Man schätzt sein Privatleben nie - bis man es verliert." Dies störte ihn - sehr sogar. Er versuchte so gut wie möglich seine Familie aus dem Rummel herauszuhalten, ein Kampf, den er nicht gewinnen konnte. Dan, der sich schlicht nicht vorstellen konnte, warum die Leute gerade an seiner Person interessiert sind, meinte dazu: "Wenn die Leute nichts anderes zu tun haben, als sich mit Hoss Cartwright zu befassen, was haben sie dann für Hoffnungen?" Dies ist aber bitte kein Grund mit dem Lesen dieser Biographie aufzuhören;-)
Es war ihm auch stets bewusst, dass er nie mehr vor eine Klasse treten könnte. Denn da würde für die Schüler nicht Dan Blocker als Lehrer stehen sondern Hoss Cartwright. Dennoch ist ihm der Ruhm nicht zu Kopf gestiegen. Zu seiner Geburtsstadt hatte Blocker keine sehr tiefe Beziehung, auch wenn er gelegentlich mit alten Freunden telefonierte oder bei Rodeos gratis mitwirkte, wenn sie für einen guten Zweck waren. Die Stadt O'Donnell wollte einmal ein Denkmal aufstellen, welches an das frühere Heim von Dan Blocker erinnerte. Je mehr die Stadträte aber darüber nachdachten, desto mehr wurde ihnen klar, dass dies Blocker gar nicht gefallen würde. Seine Frau Dolphia sagte einmal, dass Dan immer noch genau der Gleiche sei, nur das Umfeld habe sich geändert. Doch zum Glück konnte er trotz allem ein für sich befriedigendes Leben führen.
Politisch war Dan Blocker wie Pernell Roberts ein Liberal-Demokrat. Er kämpfte für die Rechte der Schwarzen. Nicht nur in Bonanza. "Ihr seid dumm! Es ist Zeit, dass ihr wach werdet. Ihr seid 200 Jahre hinter der Zeit", donnerte er. Dan Blocker war ein mitreissender Redner und er war auch ein Fan vom texanischen Gouverneur Connally. So sehr, dass er für ihn 1964 sogar in den Wahlkampf zog. Er kannte Kennedy's Polit-Programm beinahe auswendig. Im weissen Haus hatte Blocker intensive Diskussionen mit dem englischen Premier Harold Wilson. "Hoss" wurde gar um ein Autogramm für die Wilsons gebeten. Eine texanische Zeitung wollte ihn sogar zum Gouverneur machen. Blocker lehnte aber ab, da er meinte, dass nicht Hoss Cartwright gewählt werden sollte, sondern er als Dan Blocker.
Er war aber zurückhaltender als seine Bonanza-Kollegen, wenn es um Fernseh- und Talkshows ging. Blocker sah sich als Darsteller von Hoss Cartwright und sah nicht ein, warum seine Person ständig in der Öffentlichkeit präsent sein sollte.
Es ist kaum bekannt, dass Blocker es liebte zu schreiben. 1970 veröffentlichte der "Playboy" eine Kurzgeschichte von ihm mit dem Titel "The Best Kept Secret". Und er war als Filmschauspieler und in TV-Produktionen vor und während Bonanza aktiv. Unter anderem spielte er in zwei Filmen zusammen mit Frank Sinatra. Sein TV-Debut hatte er 1958 bei "Rauchende Colts".
In einem Magazin war 1969 zu lesen, dass Blocker genug hatte, "nur" als Seriendarsteller zu fungieren. Er wolle sich auf den Film konzentrieren. Wenn dies wahr gewesen wäre - was nicht genau feststeht - wäre dies nicht das Einzige gewesen, was Dan nicht mehr verwirklichen konnte. In der Zeit vor seinem überraschendem Lebensende wollte er weg vom "Snobbery Hollywood" (wie er es bezeichnete), und nach Seattle ziehen. Jahre zuvor hatten die Blockers auch schon einmal eine Wohnung, fernab von Hollywood, in Lugano, wo seine Kinder die Schule besuchten, weil ihnen dort, laut Blocker, eine breitere Ausbildung als in den USA geboten wurde.
Am 13. Mai 1972 starb Dan Blocker für alle völlig unerwartet an einer Lungenembolie.
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